EZB-QE und die Anleihemärkte

Potentielle Auswirkungen der EZB-Anleihekäufe auf die langfristigen Zinsen: Risiko eines Zinsanstiegs?

Source For Alpha Research Note (05.05.2015)

von Christian Funke (S4A), Lutz Johanning (S4A) und Mirko Kohlbrecher (Spiekermann)

Das Wirtschaftswachstum der Eurozone liegt jetzt schon seit Jahren am Boden. Die Europäische Zentralbank (EZB) kann ihren klassischen Wachstumsstimulus – die Leitzinssenkung – nur noch bedingt einsetzen, da die Leitzinsen bereits nahe Null liegen. Daher hat sie am 9. März mit einem umfangreichen Anleihekaufprogramm einen Prozess des „Quantitative Easing“ (QE) gestartet. Im Rahmen dieses Programms kauft die EZB bis September 2016 monatlich Anleihen im Wert von 60 Mrd. Euro – dies entspricht einem Gesamtvolumen von 1,1 Billionen Euro. Ziel des Programms ist es, die langfristigen Zinsen in der Eurozone zu senken, um die entscheidenden Impulse für neues Wachstum in den europäischen Volkswirtschaften zu setzen.

Die Folgen dieser massiven geldpolitischen Liquiditätsschwemme sind an den europäischen Anleihemärkten zu sehen: Die Renditen auf die meisten Staatsanleihen der Krisenländer sind deutlich gesunken. Auch die Verzinsung der als sicher geltenden, langfristigen deutschen Bundesanleihen hat seither immer neue Tiefststände erreicht. Viele Kommentatoren und Investoren sind der Meinung, dass dieser Abwärtstrend aufgrund der permanenten Liquiditätszufuhr durch die Notenbanken – und den damit verbundenen Kaufdruck auf die Anleihemärkte – anhalten wird.

Was passiert jedoch, wenn das Anleihekaufprogramm der Notenbank seine beabsichtigte makroökonomische Wirkung auf das europäische Wirtschaftswachstum entfalten wird? Ein deutlicher Anstieg des Wirtschaftswachstums sollte einen spürbar positiven Einfluss auf das Zinsniveau haben und die Zinsen für europäische Staatsanleihen deutlich ansteigen lassen – trotz des Handelsdrucks, welcher durch die geldpolitische Liquiditätszufuhr auf die Anleihemärkte ausgeübt wird.

Für Investoren ist dies eine sehr schwierige Situation. Sollte man von weiter fallenden Zinsen ausgehen, solange die EZB ihre Anleihekäufe durchführt? Oder sollte man davon ausgehen, dass das Zinsniveau steigen wird, da die Anleihekäufe im Erfolgsfall die gesamtwirtschaftliche Situation in der Eurozone deutlich verbessern werden?

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