Spin-offs sind keine Carve-outs!

Spin-offs bieten außergewöhnliche Renditemöglichkeiten, zumindest ist das immer wieder Gegenstand der Wirtschaftspresse und mittlerweile auf breiter Basis von der empirischen Kapitalmarktforschung bestätigt. Um diese Phänomene der Börsenwelt tatsächlich als Investor gewinnbringend zu nutzen, ist jedoch Vorsicht geboten.

In diesem Blogeintrag diskutieren wir die Möglichkeiten und Risiken, die Anleger bei Investitionen in Aktien ausgegliederter Unternehmensteile begegnen.

Bevor wir die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zu diesem spannenden Thema beleuchten, sollten wir zunächst verstehen, wie es zu solchen Abspaltungen überhaupt kommt. Grundsätzlich geht einer Entscheidung für eine Abspaltung eines Geschäftsbereichs zumeist die Erkenntnis des Managements voraus, dass das betreffende Business innerhalb der bestehenden Firmenstrukturen nicht rentabel oder hinreichend effizient betrieben werden kann. Nachdem der Entschluss für eine Ausgliederung getroffen wurde, ist ein Börsengang (IPO) des scheinbar schwachen Geschäftsfeldes jedoch meist nicht die bevorzugte Wahl des Mutterkonzerns. Zuvor werden meist private Käufer gesucht, um die Assets des ungeliebten Bereichs noch zu Geld zu machen. Gelingt es dem Unternehmen und seinen Beratern jedoch nicht, eine solche Transaktion zu realisieren, dient die Ausgliederung über den Aktienmarkt meist als letzte Möglichkeit.

In der Art und Weise wie dieser Börsengang des nun eigenständigen Unternehmens tatsächlich abläuft, liegt auch ein entscheidender Faktor, der über die zu erwartende Performance des neuen Unternehmens entscheidet. Grundsätzlich sind hier zwei Wege der Trennung zu unterscheiden:

  1. Bei der „echten“ Scheidung, dem Spin-off gibt der Mutterkonzern jedem Aktionär eine bestimmte Anzahl an Aktien des neuen Unternehmens aus. Damit wird kein Erlös erzielt, sondern lediglich eine vollständige Trennung der Unternehmen vollzogen. Hier ist grundsätzlich zu beobachten, dass diese echten Spin-offs in der Folgezeit deutliche Überrenditen erzielen, wie die Forschung und unsere eigenen Untersuchungen zeigen. Jedoch gilt auch hier Vorsicht walten zu lassen. Bei weitem nicht alle Spin-offs laufen gut. Vielen beeindruckenden positiven Entwicklungen stehen oftmals einige Insolvenzen weniger Spin-offs gegenüber.
  2. Anders sieht die Sache bei der „unechten“ Trennung des Teilbereichs aus. Beim Carve-out, oder genauer dem Equity Carve-Out, verkauft die Muttergesellschaft Aktien des neuen Unternehmens im Rahmen eines Börsengangs an neue investoren, behält jedoch zumeist die Mehrheit der Aktien und damit am nun formal eigenständigen Unternehmen. Im Gegensatz zum Spin-off realisiert das sich trennende Unternehmen hierbei einen Emissionserlös. Die Performance der ausgegliederten Börsenneulinge ist bei dieser Form der Trennung jedoch zumeist enttäuschend-

Schon an dieser Stelle sollten zwei Dinge klar geworden sein. Zum einen ist das blinde Investieren in Spin-offs keine Garantie für gute Renditen. Zum anderen sollten Anleger bei der Börsennotierung von Tochtergesellschaften genau hinsehen und herausfinden ob es sich um Spin-offs oder Equity Carve-outs handelt.

Source For Alpha hat bereits intensiv zu Anlagestrategien mit Spin-offs geforscht und die Ergebnisse in einer Research-Note hier kostenlos bereitgestellt. Wir laden Sie ein dort weiterzulesen, wenn Sie mehr über die Renditemöglichkeiten bei Spin-offs und Carve-outs lernen möchten. Auf Basis dieser belastbaren Ergebnisse haben wir auch Strategien für Anleger entwickelt, die es ermöglichen, ganz gezielt an der Entwicklung echter Spin-offs zu partizipieren.