Defensive Aktieninvestoren sind langfristig im Vorteil

Viele Investoren sorgen sich um ihre Kapitalanlage. Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sie mit deutlich sinkenden Einkünften aus ihrem Anlagevermögen zu kämpfen. Da die expansive Geldpolitik der EZB wahrscheinlich noch mehrere Jahre anhält, wird nicht so schnell wieder einfacher angemessene Erträge zu generieren. Nun raten immer mehr Experten dazu, verstärkt in renditeträchtigere Anlageformen wie Aktien zu investieren.

Der wesentliche Nachteil eines klassischen Aktieninvestments ist das höhere Risiko: Bei einem Kursrückschlag an den internationalen Aktienmärkten könnten kurzfristig größere Verluste entstehen. Der Investor befindet sich somit in einem Dilemma: Um eine gewisse Mindestrendite zu erreichen, kann er nicht nur in klassische risikoarme Anlageprodukte wie Staatsanleihen investieren. Deutliche Umschichtungen in renditeträchtigere Anlageformen wie z.B. klassische Aktieninvestments stellen jedoch ein Risiko dar, welches der Anleger häufig nicht tragen möchte.

Ein Ausweg aus dem Anlagenotstand ist ein Investment in defensive Unternehmen, wie z.B. die multinationalen Konsumgütergiganten Nestlé, L’Oréal, etc. Diese Unternehmen haben gut prognostizierbare Gewinne, wodurch ihre Aktienrenditen erheblich geringeren Schwankungen unterliegen als andere Titel. Die empirische Kapitalmarktforschung hat das Renditeverhalten dieser defensiven Aktien intensiv analysiert. Interessant ist, dass Anleger für das deutlich geringere Risiko keinen Renditemalus in Kauf nehmen müssen. Im Gegenteil Aktien mit einem geringen Risiko haben ähnlich hohe bzw. sogar höhere Renditen, als Aktien mit einem hohen Risiko – d.h. es ist innerhalb des Aktiensegments möglich, die klassische Risiko-Rendite-Beziehung aufzubrechen.

Unsere eigenen Ergebnisse stützen die Untersuchungen der Wissenschaftler. Für das Aktienuniversum des Stoxx 600 haben wir die jeweils 30 defensivsten Titel ermittelt. Die Rendite des Portfolios zeigt deutlich stabilere Renditen als der Gesamtindex – mit deutlich reduzierten Verlusten in negativen Aktienjahren.

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Quelle: Thomson Reuters / eigene Berechnungen, Wertentwicklung in EUR vor Gebühren und Transaktionskosten, Stand: 29.02.2016

Was bedeuten diese Ergebnisse für die Kapitalanlage? Defensive Aktieninvestments haben das Renditepotential eines klassischen Aktieninvestments bei gleichzeitig deutlich reduziertem Risiko. Aus Investorensicht ist es nur konsequent, diese Situation auszunutzen. Anstatt klassische Aktieninvestments mit vollem Kursrisiko beizumischen, sollte der Anleger einen Teil seines Portfolios in defensive Aktienstrategien investieren. Dies ermöglicht ihnen eine gewisse Mindestrendite, ohne den Erhalt des Vermögens einem unnötig hohen Risiko auszusetzen.

 Weitere Gedankengänge zum Abwägen zwischen defensiven Aktien und zyklischen Aktien finden Sie hier im Gastbeitrag von Dr. Christian Funke und Max Zellhuber in der Börsen-Zeitung oder auch hier im Beitrag von Dr. Gaston Michel und Matthias Habbel im Stiftungsführer. Bitte nehmen Sie bei Fragen gerne Kontakt mit uns auf, wir freuen uns auf Ihr Feedback.