Die Bedeutung der internationalen Diversifikation als Absicherung in Krisenzeiten

Vor der Eurokrise spielte die internationale Aktienallokation eine eher untergeordnete Bedeutung in den Überlegungen zum Risikomanagement europäischer Investoren: Die Renditen der wichtigsten Aktienmärkte – v.a. der US-amerikanische und der europäische Aktienmarkt – hingen währungsbereinigt sehr stark zusammen (sog. hohe Korrelation).

Im Zuge der Eurokrise hat sich dies grundlegend verändert, da Europa zum Krisenzentrum der internationalen Kapitalmärkte wurde. Dies führte dazu, dass die europäische Wirtschaft generell deutlich anfälliger für makroökonomische Turbulenzen wurde: Selbst kleinere Probleme befeuerten die Angst der Investoren vor einem erneuten Aufflackern der Eurokrise. Diese erhöhte Krisenanfälligkeit der Eurozone hat auch Auswirkungen auf das Zusammenspiel der europäischen und amerikanischen Aktienmärkte. Haben sich die beiden Märkte in früheren Zeiten die Rolle des „sicheren Aktienhafens“ in Krisenphasen geteilt, so konzentriert sich diese Funktion derzeit beinahe komplett auf den US-Aktienmarkt.

US-EU Vergleich Quelle: Thomson Reuters / eigene Berechnungen

Ein Vergleich der historischen Renditen bestätigt diese Überlegungen. Die Abbildung zeigt die Quartalsrenditen des EURO STOXX und des amerikanischen S&P 500, beide gerechnet in Euro, in der neuen Zeitrechnung des „geldpolitischen Krisenmodus“ seit 2009. Es ist offensichtlich, dass der europäische Aktienmarkt teils erheblichen Schwankungen unterliegt. Ein Blick auf die Renditen des US-Aktienmarktes aus Sicht eines Euro-Investors zeigt wesentlich geringere Verluste in den „Krisenquartalen“ (grau schattiert). Währungsbereinigt ist der amerikanische Aktienmarkt somit deutlich risikoärmer als unser europäischer Heimatmarkt.

Die Ausführungen zeigen, dass die Eurokrise erhebliche Auswirkungen auf das Risiko internationaler Aktienrenditen besitzt. Leider ist anzunehmen, dass die Probleme der Eurozone auch in Zukunft nicht so schnell zu lösen sind. Höchstwahrscheinlich wird daher die Fluchtfunktion des amerikanischen Aktienmarkts bestehen bleiben. Aufgrund dieser Überlegungen, sollte der risikoreduzierende Charakter von Investitionen in den US-Aktienmarkt noch mehrere Jahre Bestand haben. Für defensivere Aktienanleger ist es daher ratsam, einen signifikanten Anteil ihres Portfolios in US-Aktien zu investieren, um das Risiko ihres Portfolios deutlich zu senken.

Für weitere Betrachtungen zu dem Thema, können Sie in unserer Research Note “Der US-Markt als Absicherung in Krisenzeiten? Überlegungen zur internationalen Aktienallokation aus Sicht europäischer Anleger” (Link) oder in unserem Gastbeitrag “US-Aktien als Risikopuffer” (Link) in der Euro am Sonntag nachlesen.

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