Selektion aktiver Fonds: Sind teure Fonds tatsächlich besser oder kosten Kosten nur Rendite?

Das Thema Fondskosten wird innerhalb der Medien ausführlich diskutiert. Gerade die ETF-Industrie hat die Thematik für sich entdeckt: Sie preisen passive Indexprodukte an, bei denen die Zusammensetzung der Portfolios einfach auf der Marktkapitalisierung der jeweiligen Firmen beruht, als kostengünstige Alternative zum aktiven Fondsmanagement. Viele Investoren fürchten jedoch diese „naive“ Portfoliozusammenstellung. Sie denken noch mit Grauen an das Platzen der Technologieblase, als die großen Indizes eine hohe Gewichtung in Technologieaktien aufwiesen und man als „passiver“ Investor Anfang des letzten Jahrzehnts einen beachtlichen Teil seines Vermögens verlieren konnte. Derart geprägte Investoren möchten daher Produkte kaufen, bei denen sie wissen, dass sich jemand aktiv um ihre Vermögensanlage kümmert.

Bei der Auswahl der aktiv gemanagten Produkte stehen sie allerdings vor einem Entscheidungsdilemma: Einerseits wissen sie, dass hohe Kosten direkt ihre Performance reduzieren. Anderseits wird häufig suggeriert, dass hohe Kosten mit hoher Managementqualität einhergehen – d.h. Fonds mit der höchsten Kostenbelastung werden angeblich auch am besten gemanagt. Im Folgenden versuchen wir Anlegern eine Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, indem wir die Performance von teuren und günstigen aktiv gemanagten Fonds miteinander vergleichen. Sollten die teuren Fonds besser abschneiden, so könnten hohe Fonds tatsächlich eine Indikation für ein gutes Fondsmanagement darstellen. Ist dies nicht der Fall, so verursachen hohe Kosten lediglich eine Reduktion der zu erwartenden Rendite und sind daher zu vermeiden.

Unsere Untersuchung ist wie folgt aufgebaut: Die Stichprobe unsere Analyse sind insgesamt 305 aktiven Europa-Aktienfonds der Lipper Peer Group Aktien Europa, welche einen Track Record von mindestens fünf Jahren vorweisen. Diese Fonds haben wir basierend auf dem Total Expense Ratio in drei Gruppen unterteilt: Fonds mit geringer, mittlerer und hoher Gesamtkostenquote. Die untenstehende Abbildung zeigt die durchschnittlichen Renditen des jeweils teuersten und günstigsten Drittels der aktiven Fonds über die vergangenen fünf Jahre.

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Abbildung 1:        Tägliche Renditeentwicklung zweier Fonds-Portfolios – Fonds mit hoher Gesamtkostenquote und Fonds mit geringer Gesamtkostenquote – basierend auf der Lipper Peer Group Aktien Europa über einen Zeitraum von fünf Jahren (Januar 2012 bis Januar 2017).  Quelle: Thomson Reuters / eigene Berechnungen.

Es ist auffallend, dass günstige Fonds eine deutliche Outperformance gegenüber Fonds mit einer hohen Kostenbelastung aufweisen. In den vergangenen fünf Jahren erzielte das Drittel der teuersten Fonds eine Rendite von 54,0 % während das Drittel der günstigsten Fonds eine Rendite von 62,4 % erwirtschaften konnte – ein Unterschied von immerhin 8,4 Prozentpunkten bzw. 1,7 Prozentpunkten pro Jahr. Die Aussage, dass hohe Kosten im Durchschnitt mit hoher Managementqualität einhergehen, kann somit nicht bestätigt werden. Vielmehr zeigen unsere Ergebnisse, dass hohe Kosten im Durchschnitt eine Reduktion der zu erwartenden Rendite nach sich ziehen. Bei der Auswahl der besten Fonds sollte somit neben Faktoren wie der vergangenen Rendite und dem Risiko auch die Kostenbelastung des Fonds beachtet werden – ganz im Sinne eines guten Preis-Leistungsverhältnisses.

Aber Vorsicht: Dieses Ergebnis bedeutet nicht, dass alle teuren Fonds schlecht und alle günstigen Fonds gut sind. Innerhalb der Peergroup existieren eine Reihe an teuren Fonds, welche eine hohe Outperformance besitzen und berechtigterweise hohe Kosten haben – bspw. weil die Aktienauswahl auf einer sehr arbeitsintensiven Analyse beruht. Fonds mit einer hohen Kostenbelastung sollten jedoch nur dann vom Investor gewählt werden, wenn dieser vom Managementansatz des Fondsmanagers absolut überzeugt ist und die hohen Kosten auch gerechtfertigt sind.